(Gegenwind 241, Oktober 2008)
Deutschland ist das Land meiner Träume. Die Luft ist kühl, die Flüsse und Wälder sind sehr romantisch, die Menschen sind ruhig, höflich und freundlich. Kultur, Musik, Kino, Theater, Kirchen, berühmte Namen - das alles ist für mich Deutschland. In diesem Land zu studieren und forschen, es kennen zu lernen, ist für jede Germanistin und jeden Germanisten wichtig. Für diese Möglichkeit für ausländische Studenten gibt es die große Organisation des DAAD, über den ich schon in meinem vorigen Artikel geschrieben habe.
Den DAAD gibt es als Organisation nicht nur in Deutschland, sondern auch in verschiedenen Ländern der Welt. Der DAAD ist weltweit bekannt, die Niederlassungen arbeiten Hand in Hand. So haben DAAD Eriwan (Armenien), DAAD Tbilisi (Georgien) und DAAD Baku (Aserbaidschan) ab dem 21. Juli einen "Sommerkurs" in Georgien (Batumi) organisiert, woran zwölf Studenten aus Georgien (Tbilisi, Kutaissi und Batumi), ein Student aus Aserbaidschan (Baku) und zehn aus Armenien (Eriwan) teilnahmen. Ich war auch dabei. Ich freute mich schon Wochen vorher über die Reise nach Batumi.
Am 20. Juli , Sonntag Morgen um fünf Uhr trafen wir uns vor dem Informationszentrum des DAAD in Eriwan: Zehn Studentinnen und Studenten aus drei verschiedenen Universitäten, der Eriwaner Staatlichen Lingustischen Brusov- Universität, der Eriwaner Staatlichen Universität und der Eriwaner Staatlichen Pädagogischen Universität. Von meiner Uni waren vier Studentinnen von meiner Gruppe dabei: Nura, Anahit (die schon aus dem vorigen Artikel bekannt sind), Narine und ich. Wir hatten uns sehr viel Sorgen gemacht, bis wir angenommen wurden. Es gab viel mehr Bewerbungen als Plätze. Fast jeden Tag hatten wir einander angerufen um zu erfahren, ob es was Neues gibt. Aber wie durch ein Wunder durften wir alle vier nach Batumi mit. Wir waren sehr glücklich. In der Dunkelheit sahen wir unbekannte und fanden bekannte Gesichter. Alle nahmen Abschied von den Eltern - außer mir, meine Eltern leben ja noch in Europa. Unser Kleinbus, ein Ford Transit, fährt schon los. Wir sind alle reisebereit und fröhlich.
Uns begleiten zwei Leute vom DAAD-Team in Eriwan - Meri Navasardyan und Ani Boschikyan. Der Weg ist lang, aber das fühlt man nicht, weil es so schön ist, besonders während des Sonnenaufgangs. Wir sahen viele schöne Sehenswürdigkeiten an der Straße und diskutierten drüber. Ich dachte mir wirklich, Armenien ist wie ein Museum unter offenem Himmel, eine Art Freilichtmuseum. Alles läuft super, außer dass einige durch die Fahrt unter Übelkeit leiden. Wir fahren einmal hoch auf einen Berg, einmal durch einen Hohlweg, durch die Wälder - und endlich sind wir an der Grenze. Hier hatten wir eine unangenehme Situation. Anahit muss zurück nach Eriwan. Sie ist eine deutsche Staatsbürgerin und hat seit 2006 kein Visum in Armenien mehr. Sie studiert an der Uni, aber kannte selbst die Regelungen nicht und war schockiert. Wir haben alles versucht, um sie mitzunehmen, aber es war sinnlos: "Wir können sie sofort abschieben, aber wir tun das nicht", sagte der Grenzsoldat. "Also, beeilt euch lieber nach Tbilisi, wir begleiten sie bis zum Marschutka (Sammeltaxi)." Sie weinte, wir sind alle traurig. Ich fühle mich sofort an Deutschland erinnert, als die Polizei zu mir kam und mich abschob.
Vor uns sehen wir schon die Stadt Tbilisi, die Hauptstadt Georgiens. Wir sehen jetzt eine andere Schönheit. Es ist eine andere Kultur, andere Menschen, die sich ganz wenig von Armenien unterscheiden. Was für mich als erstes lustig ist, ist das Haus eines reichen Herrn in Georgien, auf dem sein Bild angebracht war, ein unglaublich großes Bild.
Wir gehen durch die Straßen, in den Händen die schweren Koffer. Wir sind schon an Ort und Stelle - vor dem DAAD-Zentrum Tbilisi. Daneben steht das hohe, weiße Gebäude vom Goethe-Institut. Man hört viel Deutsch. Unsere Seminarleiter begrüßen uns und begleiten und zu Tisch. Es sind Gebhard Reul vom DAAD-Informationszentrum Tbilisi, Stephanie Krauch vom DAAD-Informationszentrum Bukarest (Rumänien), Andre Götz vom DAAD-Informationszentrum Baku. Nach einer Weile kommen die Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer aus Tbilisi und der einzige Student aus Baku. Wir haben uns freundlich kennen gelernt.
"Jetzt habt ihr eine Möglichkeit, bis 22 Uhr die Hauptstadt mit den Georgierinnen kennen zu lernen", sagte Gebhard. "Danach fahren wir mit dem Zug nach Batumi." Sie begleiten uns zum Erts, zum Platz der Republik. Dann sind wir in einer georgischen Kirche. Wir besichtigen ein altes Kloster, in dem gerade eine lustige georgische Hochzeit stattfindet. Danach spazieren wir durch den "Botanischen Garten". Ein kleines Paradies: Die Luft ist frisch und kühl, überall wachsen schöne Blumen und Bäume.
Es ist 20.00 Uhr. Wir sind vor dem beliebtesten Restaurant Tbilisis "Genazvale", wo die "Khinkali" und "Khatschapuri" unglaublich lecker schmeckt. Wir sitzen rund um einem großen Tisch. Wir stellen einander Fragen, vergleichen die Mentalitäten unserer Länder. Es ist wie in einer Talkshow. Ich freue mich, weil unsere Seminarleiter so viel über Armenien wissen, das hatte ich nicht erwartet.
Es ist schon wieder dunkel. Wir holen unsere Koffer und fahren mit der U-Bahn zum Bahnhof. Wir sind schon auf dem Weg nach Batumi, wo ich letztes Mal mit fünf Jahren mit meiner Familie im Urlaub war.
"Verbote sind sinnlos", sagen wir. Und genau so ist es. Wie können wir schlafen, wenn wir in einem kleinen Abteil des Zuges neue Freunde finden? Armer Schaffner, er konnte bei uns die ganze Nacht nicht durchsetzen, leise zu sprechen, nicht zu lachen und nicht im Flur rumzulaufen. Alles ist toll, der Zug, die georgischen, armenischen und aserbaidschanischen Freundinnen und Freunde, ebenso die deutschen, unsere zweistöckige Betten, alles.
Es ist schon 7 Uhr morgens. Unser Zug nähert sich dem schönen Batumi. Und jetzt starre ich mit meinen verschlafenen Augen auf das Meer, ein schwarzes, an einigen Stellen graues Meer, das mir grenzenlos scheint. Man träumt, man kann nur träumen, wenn man auf das ganz stillen Meer guckt - faszinierend.
Der Zug hält. Wir steigen total müde aus, und ein wilder und kühler Wind trifft mich im Gesicht. Ich fühle schon das Meer und höre das Rauschen seiner Wellen. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.
Uns begrüßt eine deutschsprachige Frau, aber sicher keine Deutsche. Sie ist die Leiterin des deutschen Lehrstuhls der Uni Batumi.
Wir fahren zum Hotel, wo wir wohnen sollen. Das ist ein Lyceum, eine Art Internat, wo man nicht nur Deutsch, sondern auch andere Fächer lernt. Mein Zimmer liegt im zweiten Stock des fünfstöckigen Hotels. In jedem Zimmer muss unbedingt mindestens eine Georgierin und eine Armenierin wohnen, , damit wir viel im Kontakt sind und auch viel deutsch gesprochen wird, aber Russisch ist auch nicht schlecht. Mein Zimmer teile ich mit Tatev aus der Pädagogischen Uni Eriwan und Maka sowie Nino aus Tbilisi. Auch unser einzige Junge aus Armenien und der aus Aserbaidschan sollen sich ein Zimmer teilen. Wir haben einen breiten Flur, den wir in unser Wohnzimmer verwandeln. Die Mensa haben wir im ersten Stock. Also, das Hotel hat allen Komfort für den normalen Aufenthalt.
Es gibt auch schon einen Tagesplan:
Der erste Tag ist der Tag des Kennenlernens. Und dieses Kennenlernen beginnt an der schöne Batumi-Universität mit meinem Lieblings-"Vorstellungsball", wie ich ihn in Flensburg an der VHS kennen gelernt habe. Hier lernen wir jetzt die georgische Studentinnen aus Batumi und Kutaissi kennen. Sie sind gutherzige, lustige Mädchen und freunden sich schnell mit uns an.
Schon am zweiten Tag kriegen wir alles leicht hin. Alle 23 Studentinnen und Studenten gehen zusammen 20 Minuten zu Fuß zur Uni, die praktischerweise am Strand liegt und einen sehr schönen Ausblick bietet. Dann gehen wir wieder zusammen zum Essen und so weiter.
Ein neues Leben ist das für uns alle in der Stadt Batumi. Freie Menschen sind wir hier. Frei sind wir mit unseren Gedanken, Entscheidungen. Es ist ein freies Leben, wie es sich viele Studenten in Armenien wünschen.
Die Seminarleiter organisieren unsere Tage sehr eifrig, interessant und sehr voll. Dazu gehören Picknicks, Spaziergänge, Ausflüge, aktive Diskussionen und, das Wichtigste: interessante Seminare. Wir haben keine Zeit uns zu langweilen. Immer passiert was.
Mit dem Leiter haben wir uns auch schnell angefreundet. Besonders Gebhard Reul kümmert sich um uns alle. Er hört sich die Meinungen von jeder einzelnen an - was man machen will, was man vorhat, was einem nicht gefällt oder was man ändern will. Er fragte uns sogar, wer was beim Filme gucken trinken will. Das klingt nach Kleinigkeiten, aber dahinter wird eine große Aufmerksamkeit für uns alle sichtbar, was ich so nicht erwartet habe. Am Anfang dachte ich mir, dass sich die Leiter vielleicht arrogant benehmen und nicht viel Zeit mit uns verbringen, aber die drei Seminarleiter waren wie Studenten mit uns an den zwölf Tagen. Wir waren zusammen so stark im Team verbunden, dass wir Gebhard für unser Vater hielten und ihn Papa Gebhard nannten.
Es ist einfach unmöglich alles zu schreiben, was wir in zwölf Tagen in Batumi gemacht haben, aber ich möchte über die Gelegenheiten und Sehenswürdigkeiten erzählen, die mich am meisten beeindruckt haben, obwohl alles dort toll war.
Der tanzende Springbrunnen: Gebhard schlug vor, dass wir ein Abendessen am Strand machen. Aber niemand konnte sich vorstellen, wohin wir gehen. Nach dem Essen waren wir etwas betrunken und hatten sehr gute Laune. Um 22 Uhr startet der Springbrunnen in der Mitte des kleinen Sees direkt neben dem großen Meer. Alles ist herrlich. Wir fühlen uns wie im Märchen. So etwas kann man in Armenien auch jeden Tag am Platz der Republik erleben, aber dies war anders. Dann plötzlich spielt eine ganz bekannte armenische Melodie, die Georgier auch kennen. Wir Armenierinnen sind überrascht, alle schreien, singen zusammen und tanzen. Nach diesem Lied fühlen sich alle als Armenier.
In der Stadt Gonjo sehen wir die ganz alte Kultur. Ein Kloster aus dem 4. Jahrhundert, ein Legion römischer Soldaten, die sich dort von einem Krieg erholt haben. Die alten Palmen und Bäume, die ganze Schönheit. Und die Eidechsen, die sich überall bewegen wie kleine Schlangen.
Die Restaurants, die uns fast jeden zweiten Tag erwarteten. "Heute essen wir unser Abendbrot im Restaurant." Das war mein Lieblingssatz, den ich von Gebhard hörte. Auch meine Lieblingsbeschäftigung während des ganzen Kurses. Wir haben dort georgischen "Khachapuri" gegessen, unsere traditionellen Tänze getanzt, das georgische Bier "Kazbecki" getrunken und versucht, ein paar lustige Wörter auf georgisch zu wiederholen und auszusprechen, was die anderen vorsagten. Bei mir klappte das ganz gut.
Am Meer - am Strand Sarpi: An der türkischen Grenze gab es einen Strand, der schönste Steinstrand, den ich in Batumi gesehen habe. Für mich war das sehr interessant, weil man schon von weitem die Türkei spüren konnte. Wir sehen eine große türkische Moschee, von der man jede Stunde den Ruf zum Gebet hören kann. Der Wellen, der mich hin und her auf die kleinen Steine werfen. Am nächsten Tag hatte ich viele blaue Flecken auf meinem Körper gefunden, voll dumm. Oh, die Felsen, die waren wirklich eine schreckliche Schönheit im Meer. Sechs Meter hoch, auf denen Menschen ihr Leben dem Meer anvertrauen. Ich war schockiert, wie kann man dort runter springen, sind alle verrückt oder was? Und darunter war auch Andre, unser DAAD-Leiter aus Baku. Er brauchte 20 Minuten, bis er bereit war, sein Leben zu riskieren. Und dann kam Andre zu mir und zeigte mit einen kleinen Felsen, drei oder vier Meter hoch - dort sollte ich runter ins Meer springen. Könnt ihr euch vorstellen, was ich gemacht habe? Ich bin gesprungen, also bin ich selbst vielleicht verrückt. Und das auch noch mehrmals, dreimal, weil Stephie mich mit ihrer Kamera nicht einfangen konnte - wirklich verrückt. Beim Springen, wenn man in der Luft ist, denkt man, man ist gestorben. Dann im Wasser, merkt man: ich atme noch, wie schön. Mir folgte noch Hayk, unser einziger Junge von der Pädagogischen Uni aus Eriwan. Den Tag war auch unvergesslich.

In der Türkei zu sein, war für mich sozusagen ein Traum. Aber allein oder mit meiner Familie oder Freunden würde ich nie dahin fahren. Aus Deutschland, wo es viele Türken gibt, oder von der Schule in Armenien hatte ich schon viel über die Türkei erfahren, aber selbst im Land zu sein ist was anderes.
Es war Samstag, 26. Juli. Wir sind wieder reisebereit, um in das schöne Land Türkei zu fahren. Aber die erste Enttäuschung erleben wir schon an der Grenze zur Türkei. Es ist eine unglaublich schmutzige Grenze im Vergleich mit Georgien. Beim Grenzübergang gab es keine richtigen Steingebäude. Es gab nur kleine Häuschen, eher wie Wohnwagen. Alle Armenier mussten für ein 30-Tage-Visum 15 Dollar bezahlen. Gebhard hatte kein Dollar und Camil, der einzige Aserbaidschaner, musste für uns bezahlen und auch auf Türkisch dolmetschen. Also, wir hatten einen netter Dolmetscher dabei, die uns in der Türkei viel geholfen hat.
Dann nahmen wir ein großes Sammeltaxi und fuhren los durch die Türkei nach Trabzon. Wir fuhren an Erzrum vorbei, das früher zu Armenien gehörte. Ich sehe traurige Gesichter bei den Armenierinnen. Im Bus läuft eine ganz heiße Debatte über die armenisch-türkische Geschichte miteinander. Alle zwei oder drei Kilometer sieht man eine neue Moschee. Unglaublich viele. Schöne Natur, die Berge. Alles war sehr schön auf dem Weg.
Nach einer Weile schlafen fast alle. Es dauert ein paar Stunden, dann nähern wir uns dem schönen Trabzon. Wir steigen aus. Niemand von uns kennt die Stadt. Uns erwartet ein lustiges Abenteuer bis 7 Uhr abends. Wir laufen durch die Stadt von links nach rechts, von oben nach unter.
Die Stadt ist etwas konservativ. Die Frauen tragen alle Kopftücher, was z.B. in Istanbul nicht üblich ist. Die Männer sind alle Schürzenjäger. Ihre Augen verpassen keine Frau. Bis zu dem Tag dachte ich, nur Armenier sind so, aber hier habe ich Schlimmeres gesehen. Überall hört man wieder das singende Gebet, was sehr nervig war. In Trabzon haben wir das Denkmal von Atatürk gesehen, der Augenzeuge des Genozids an den Armeniern war und sich später mit den türkischen Tätern verbündete.
Am Abend haben wir ein türkisches Gericht am Hafen gegessen, türkische Tee (aus einer Kaffeetasse) in einem Teehaus getrunken. Und dann mussten wir uns schon wieder auf den Weg nach Batumi machen. Während der Rückreise dachte ich mir, dass ich mal mit meinem Freund einen längeren Urlaub in der Türkei machen muss. Ein Tag ist viel zu kurz, um ein Land zu sehen, das mich persönlich sehr interessiert.

Wir sind wieder in Batumi. Montag fängt der Unterricht wieder an. Wir teilen uns in zwei Gruppen. Eine Gruppe macht "kreatives Schreiben", die andere Gruppe "wissenschaftliches Schreiben". Ich habe mich für die Erste entschieden mit Andre und Stephie. Für den letzten Tag bereitet die zweite Gruppe ein Referat mit politischen Themen vor, wir ein Theaterstück.
Es ist Freitag, der 1. August. Alles ist sehr gut geplant für den letzten Tag an der Uni. Einige halten ihre Vorträge, unsere Gruppe zeigt das Theaterstück. Danach tauschen wir unsere Meinungen über die ganzen zehn Tage aus.
Am Abend bereiten sich alle für die Abschiedsparty vor. Das war der lustige Tag und gleichzeitig trauriger Tag für uns. Das Restaurant "Shuah Kalaki" war schon für uns reserviert. Wir haben wieder viel gegessen, viel getrunken und getanzt. Nach dem Restaurantbesuch haben wir einen Spaziergang am Strand gemacht, fotografiert, unter dem Springbrunnen getanzt und kehrten ganz nass zurück ins Hotel. Bis in die späte Nacht waren wir im Flur. Wir wollten die letzte Nacht zusammen genießen, weil wir wusste, dass so etwas nie wieder passiert.
Am nächsten Abend verabschiedeten wir uns von den Studenten aus Kutaisi, etwas später von Stephie am Bahnhof in Batumi. Wir mussten zurück nach Tbilisi, wo unser Fahrer Robert schon am Bahnhof auf uns wartete.
Ich will mich noch mal beim DAAD-Team bedanken für die schönen 13 Tage, die wir, 23 Studentinnen und Studenten aus drei Ländern genießen konnten. Ich möchte mich bedanken für das große Geschenk.
Ich danke Alexandra Gestner, dass sie uns zehn Studentinnen und Studenten aus Armenien die Möglichkeit gab, an dem Kurs teilzunehmen. Ich danke Stephie, Andre und Gebhard, dass sie ihre ganze Kraft investiert haben, damit wir uns in einem fremden Land wohlfühlen und schöne Erinnerungen behalten.
Ich wohne seit drei Jahren in Armenien, aber so viel Schönes in so kurzer Zeit wie in Batumi habe ich noch nicht erlebt. Urlaub, Universität, Reise - alles in einem.
Der Kurs fand zum ersten Mal statt, und ich bin stolz drauf, dass ich teilgenommen habe. Ich hoffe, diesem folgen noch viele Sommerkurse.
Vor unserer Reise nach Batumi nahmen ein paar Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Universitäten an einem Kurs "Interkulturelle Kommunikation" teil, der ebenfalls vom DAAD organisiert war. Er wurde von Bianca Wolfram in der Französische Universität in Eriwan veranstaltet, ich nahm auch teil. Zwei der TeilnehmerInnen kamen auch mit mir nach Batumi, Hayk und Lilit. In diesem sechstägigen Seminaren haben wir gelernt, wie man mit Ausländer klar kommen und kommunizieren kann, auch wenn man die Sprache nicht beherrscht. Also, wir hatten schon eine gute Erfahrung, was uns in Batumi gut half.
Es war natürlich eine besondere Herausforderung, denn Armenien und Aserbaidschan sind offiziell im Krieg, seit 1994 gibt es nur einen Waffenstillstand. Und wir hatten einen Aserbaidschaner in der Gruppe, Camil. Ich befürchtete, dass Hayk und Camil Streit haben oder einfach nicht klar kommen. Aber ich habe sie sehr bewundert. Beide waren ganz ruhig, wohnten in einem Zimmer und machten keinen Stress. Camil hatte viel Kontakt mit den Georgierinnen. Aber auch zu uns Armenierinnen war er sehr nett und höflich. Da war ich wirklich überrascht.
Fünf Tage nach unserer Rückreise begann der schreckliche Krieg in Georgien. Wir hatten wirklich Glück, dass wir nicht mehr da waren, ich weiß nicht, was passiert wäre. Ich war in Stepanavan, einer Stadt in Armenien direkt an der Grenze Georgiens. Als ich nach ein paar Tagen zurück nach Hause kam, hatte eine Mail von Gebhard. Wegen des Krieges ist er mit seiner Familie nach Eriwan geflohen. Er hatte eine Nummer hintergelassen und wollte sich mit uns treffen, aber schade, ich las die Mail zu spät. Er wurde schon am Donnerstag den 14. August von der deutschen Botschaft ausgeflogen, er hat mir dann aus Berlin geantwortet.
Hoffentlich kommt er noch in diesem Jahr nach Armenien und wir treffen uns mit ganzem Kursteilnehmer aus Armenien. Warum hoffentlich? Weil er plötzlich eine schwere Zeit in Georgien erlebt hat, und wir würden das gerne mit unserer Gastfreundschaft ausgleichen.
Ich habe übrigens immer noch viel Kontakt mit meinen neuen georgischen Freundinnen.
Sona Shirvanyan