(Gegenwind 361, Oktober 2018)

Blick in Richtung Ansprengungen
Blick in Richtung Ansprengungen

Ansprengversuche der Bundeswehr in der Ostsee:

Zunehmender Protest

Mitte 2017 wurde bekannt, dass die Bundeswehr für 2018 im Sperrgebiet Schönhagen bei Damp/ Ostsee sogenannte Ansprengungen und einen Beschuss an der ausgedienten Fregatte „Karlsruhe” plant. So weit man weiß, soll es damit im Oktober 2018 losgehen. Konkrete Termine sind nicht bekannt, anliegende Gemeinden und Umweltverbände vermissen hier jedoch nicht nur Transparenz. Sie befürchten massive Schäden an der Meeresumwelt und fragen sich, muss das eigentlich sein?

Im Kern geht es bei den Aktionen der Bundeswehr darum, dass Sprengladungen unterschiedlicher Größenordnungen in der Nähe der Bordwand gezündet werden sollen, um für einen sehr speziellen Ernstfall zu proben. Anhand von Messungen will man Aussagen über die Schockresistenz der Fregatte in Abhängigkeit von der Ladungsgröße treffen. Ansprengungen in der Ostsee sind eigentlich nicht neu. Die Bundeswehr unternimmt sie seit Jahrzehnten. Doch sie stoßen mehr und mehr auf öffentliche Kritik. Inzwischen weiß man, dass die immensen Druck- und Schallwellen infolge der Ansprengungen geschützte Tierarten im Sperrgebiet und die benachbarten „Natura 2000”-Schutzgebieten negativ beeinträchtigen können. Insbesondere das empfindliche Gehör von Schweinswalen kann dabei unwiederbringlich Schaden nehmen. Die bei den Bundeswehrübungen im Meer verballerte Munition wird das ohnehin schon stark mit Nähr- und Schadstoffen vorbelastete Ökosystem Ostsee in den Küstenregionen zusätzlich unnötig mit weiteren Schadstoffen aus der Munition belasten.

Im November 2017 stellte „DIE LINKE” im Bundestag eine „Kleine Anfrage” (Drucksache 19/162, 19. Wahlperiode). Bei der Antwort der Bundesregierung im Dezember 2017 kam u. a. heraus, dass die Bundeswehr nicht wie gesetzlich für entsprechende Schutzgebiete vorgeschrieben, vor diesem Eingriff Verträglichkeitsprüfungen nach der sogenannten Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) hat durchführen lassen. Darüber hinaus werden die Schweinswale und andere Meeresbewohner nicht - gemäß Stand der Technik - mit einem Blasenschleier geschützt und dies nicht, obwohl die Bundeswehr selbst an der Entwicklung eines solchen Schutzsystems für Schweinswale beteiligt war. Die Kosten für eine solche zusätzliche Schutzmaßnahme dürften in Anbetracht der Gesamtkosten der Bundeswehreinsätze wohl kaum ins Gewicht fallen.

Den Stein ins Rollen brachte jetzt „DIE LINKE”-Kreistagsfraktion in Rendsburg-Eckernförde. Sie regte bei den anderen Fraktionen an, eine gemeinsame Resolution für mehr Umwelt- und Naturschutz bei den Ansprengungen in den Kreistag einzubringen, um sie dann via Landesregierung der Bundeswehr zukommen zu lassen. Die anderen Fraktionen - CDU, SPD, FDP und der SSW - machten mit, auch die Medien transportierten das Thema und so wartet man nun auf eine Reaktion der Deutschen Marine. In ihrer Resolution fordern die Fraktionen die Bundeswehr auf, die oben genannten Defizite zu beheben, d. h. Umweltverträglichkeitsprüfungen vorzunehmen, diese zu veröffentlichen, danach zu handeln und in jedem Fall den Einsatz eines Blasenschleiers. Aus Sicht der NaturFreunde wären einige Forderungen der Kreistagsfraktionen noch optimierungsbedürftig, wir erkennen aber den Kompromiss und begrüßen diesen Vorstoß der Kreisfraktionen außerordentlich.

Grundsätzlich sind wir der Ansicht, dass die Ansprengungen in Gänze gestoppt werden müssten. Deshalb hatten wir uns auch in Damp an der „Protestmeile: Ostsee schützen - keine Sprengversuche!” des Kieler Friedensforums in diesen Frühjahr im Mai beteiligt. Die Ostsee ist ein sensibles Ökosystem, dass keine zusätzlichen Belastungen verkraften müssen sollte. Wohl aber aus Kostengründen weicht die Bundeswehr nicht in den Atlantik aus. Die NaturFreunde rufen aus gegebenem Anlass nun weiter auf zum Protest gegen die geplanten Spreng- und Munitionsübungen der Bundeswehr in der Ostsee auf. Wir fordern ein Ende der umweltzerstörerischen und friedensgefährdenden Übungen der Deutschen Marine.

Wer die Antwort der Bundesregierung und die Resolution für den Kreistag nachlesen möchte, kann dies unter www.naturfreunde-sh.de tun. Wer Interesse und Ideen hat, gemeinsam etwas mit uns gegen diesen Wahnsinn in der Ostsee zu unternehmen, möge gern Kontakt mit den NaturFreunden S-H aufnehmen.

Jürgen Klose
Stellv. Landesvorsitzender NaturFreunde S-H und Regionalgruppe Gelting-Schlei-Angeln
juergen.klose@naturfreunde-sh.de
mobil 0160 - 9024 2558

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