(Gegenwind 445, Oktober 2025)
In der Schule bekommen wir kaum Informationen über Afrika und seine Geschichte. Eine Ausnahme bildet Ägypten, die Pharaonen und die Pyramiden. Aber sonst? Auch die Kolonialgeschichte behandelt selten die portugiesischen und arabischen Eroberer und Sklavenhändler, sondern startet Mitte des 19. Jahrhunderts. Und da stoßen Missionare, Forscher und Kolonialtruppen ins Landesinnere vor und „entdecken” Stämme von Einheimischen. Hier sollen einige Bücher vorgestellt werden, die die Geschichte Afrikas beschreiben - soweit sie bekannt ist.

Der Sammelband von John Parker (Herausgeber) umfasst neun ausführliche Artikel über einzelne Königreiche der Antike oder des Mittelalters, die ein der Regel vom Namen her bekannt sind, aber eben nicht ihre Geschichte, ihre Ausdehnung und manchmal auch die Gründe für ihr Ende.
Es geht natürlich los mit Ägypten und Nubien, dem heutigen nördlichen Sudan. Es ist ein Reich, das vor Tausenden von Jahren entstand, und zwar rechts und links des Nil. Erst die staatliche Organisation ermöglichte es, das Nil-Wasser systematisch zu nutzen und eine Landwirtschaft einzurichten, die Millionen von Menschen auch abseits des Flusses ernähren konnte. Mit dem Nil-Wasser muss man sorgfältig umgehen, denn nach dem Zusammenfluss des Weißen Nil und Blauen Nil bei Kartoum gibt es keine Nebenflüsse mehr. Das Wasser, dass der Nil dort führt, verdunstet teilweise in der sudanesischen Wüste, der Rest fließt bis zum Mittelmeer.
Der Autor zeichnet die verschiedenen Reiche nach, die auf dem Gebiet Ägyptens über Jahrtausende existierten. Thema ist auch das Königreich Kusch, das zeitweise ganz Ägypten kontrollierte - die Zeit der „schwarzen Pharaonen”. Später herrschten dann Perser, Griechen und Römer über das Land, dann Türken, Franzosen und Engländer.
Weiter geht es mit den sudanesischen Reichen. Das hat nichts mit dem heuten Sudan zu tun, denn im Altertum war „Sudan” das Land der Schwarzen südlich der Sahara. Das Gebiet der sudanesischen Reiche nehmen heute Mauretanien, Senegal, Mali und andere moderne Länder ein. Damals waren das aber Ghana, Mali und Songhei. Man weiß nicht alles über diese Reiche, manchmal fehlen einfach 100 oder 200 Jahre in der Geschichte. Sie selbst haben wenig aufgezeichnet, oder es ist verloren gegangen. Und bei dem, was überliefert wurde, muss man vorsichtig sein: Es stammt zum Beispiel von arabischen Händlern, die auch bewusst Entfernungen falsch angaben, um konkurrierende Händler in die Irre zu führen. In der Zeit setzte sich der Islam langsam durch, auch wenn längst nicht alle Menschen in den Reichen ihn übernahmen. Für arabische Staaten war vor allem interessant, dass die sudanesischen Reiche über Gold verfügten, die Quellen wurden streng geheim gehalten. Bekannt ist Mansa Musa, der König von Mali, der auf seiner Pilgerfahrt nach Mekka 1325 Tonnen von Gold verteilte und dadurch die Wirtschaft Ägyptens aus dem Gleichgewicht brachte. Er galt und gilt teils bis heute als der reichste Mensch der Welt, auch wenn Umrechnung in die heutige Kaufkraft und das Bruttosozialprodukt zumindest sehr ungenau sind.
Das heutige Mali liegt auf dem gleichen Gebiet wie das damalige Mali, natürlich mit völlig anderen Grenzen. Dagegen hat das heute Ghana mit dem damaligen Reich nichts zu tun, man hat nur den berühmten einheimischen Namen übernommen, um den kolonialen Namen „Goldküste” los zu werden. Aber der koloniale Name verweist darauf, dass einige der Goldquellen von Ghana oder Mali dort lagen, wo heute der moderne Staat Ghana liegt.
Im dritten Kapitel geht es um Äthiopien. Das Kaiserreich selbst führte die eigene Dynastie auf König Salomo zurück. Die Königin von Saba besuchte ihn und kehrte schwanger oder mit einem Kind zurück. Was davon stimmt und was nicht, ist Gegenstand viele Fachartikel und ganzer Bücher, aber die Kaiser, die bis 1974 regierte, nannten sich „salomonisch”. Bis heute gibt es eine Kirche in Äthiopien, in der die Bundeslade aus dem Tempel von Jerusalem aufgehoben wird. In ihr transportieren die Juden die zehn Gebote vom Berg Sinai nach Jerusalem. In Israel gilt sie heute als verschwunden, Äthiopien hat sie, zeigt sie aber nicht. Auch hier gab es Phasen der Geschichte, in denen andere Dynastien regierten, aber auch sie beriefen sich aus Salomo und die Königin von Saba als mehr oder weniger entfernte Vorfahren.
Das Königreich dehnte sich in der Zeit von Aksum auch über den Kontinent hinaus aus und beherrschte Regionen, die heute zum Jemen gehören. Hinterlassenschaften wie die riesigen Stelen sind bis heute umstritten, weil sie während der Kolonialzeit von Italien geraubt und in Rom aufgestellt wurden.
Die Regierung dieser Dynastie bis 1974 bedeutet auch: Äthiopien ist das einzige Land in Afrika, wenn auch in anderen Grenzen als heute, das nie kolonisiert wurde. Die Eroberung durch Italien von 1936 betrachtet Äthiopien nicht als Kolonialzeit, sondern als vorübergehende militärische Besetzung.
Im vierten Kapitel geht es um die Yoruba- und Benin-Königreiche. Die liegen auf dem Gebiet des heutigen Südwest-Nigeria, während der heutige Staat Benin auf dem Gebiet des damaligen Königreiches Dahomey liegt. Die Geschichte der Yoruba und Benin ist bis heute umstritten, weil die Königreiche auch am Sklavenhandel beteiligt waren. Hier in Deutschland sind die Reiche zumindest vom Namen her bekannt, weil es einen langen Streit um den Verbleich der Benin-Bronzen in deutschen Museen, vor allem in Berlin, gab. Auch die inzwischen erfolgte Rückgabe ist bis heute umstritten, weil sie der heutigen Regierung übergeben wurden.
Im fünften Kapitel geht es um das Königreich Kongo. Das ist ein wichtiger Beleg dafür, dass die europäischen „Entdecker” sehr wohl wussten, dass alles schon entdeckt war, denn mit dem Königreich Kongo nahm die Kolonialmacht Portugal diplomatische Beziehungen auf. Und die Botschafter des Königreiches Kongo nahmen ihrerseits nicht nur Kontakt mit dem König von Portugal und später dem König von Spanien auf, sondern auch mit dem Papst.
Das Königreich Kongo hatte wechselnde Beziehungen zu europäischen Mächten. Zeitweise gab es Bündnisse mit einer europäischen Macht gegen eine andere europäische Macht. Und das Königreich Kongo verkaufte auch Kriegsgefangene als Sklaven an portugiesische Händler, die sie teils nach Sao Tomé, teils nach Elmina (heute in Ghana) brachten, teils wurden sie dann weiter verkauft nach Brasilien oder auf karibische Inseln.
Die weiteren Kapitel beschreiben dann Buganda (heute in Uganda gelegen), dann das Kalifat von Sokoto (heute Nord-Nigeria), das Königreich der Aschanti (heute in Ghana) und das Königreich Zululand (heute in Südafrika). Es sind einzelne Fachartikel, der Stil ist unterschiedlich. Einige Autoren erzählen die Geschichte des Königreiches, das ihr Thema ist. Andere setzen sich kritisch mit der Forschung über das Königreich auseinander, setzen dabei teils viel voraus. Aber so ist das bei einem Sammelband. Der Herausgeber hat alles in eine zeitliche Reihenfolge gebracht und dem Buch eine umfangreiche Einleitung vorangestellt.
Fast 400 Seiten voller afrikanischer Geschichte, sehr unterschiedlich im Stil und dem Weg der Annäherung, aber durchgehend interessant.

Ganz anders das Buch von Zeinab Badawi. Sie hat eine afrikanische Geschichte Afrikas geschrieben, alles selbst und zehn Jahre lang. Sie beschreibt nicht nur die Geschichte verschiedener afrikanischer Reiche und Zivilisationen der letzten paar Tausend Jahre. Sie beschreibt auch ihre Reisen in die heutigen Länder, ihre Gespräche mit dortigen Historikern und Museumsleitern. Nur zum Königreich -Kusch beschreibt sie auch, was ihre Oma ihr dazu erzählt hat, denn auch Kusch kommt sie selbst, aus wenn sie heute überwiegend in London lebt.
Sie beginnt mit der Entstehung der Menschen. Denn ohne die Geschichte Afrikas gibt es auch keine Geschichte Asiens, Europas oder Amerikas, in Afrika begann die Geschichte der Menschheit. Noch sind nicht alle Phasen der Entwicklungsgeschichte bekannt. Die ersten Menschen gab es im Hochland von Äthiopien, aber auch im heutigen Südafrika. Es gab auch Menschen, die ausgestorben sind.
Die bekannte Geschichte beginnt dann mit Ägypten, auch bei Zeinab Badawi. Sie ist übrigens Präsidentin der Universität, auf der John Parker 22 Jahre lang die afrikanische Geschichte erforschte und lehrte. Ägypten und die Reiche der Pharaonen sind für sie ein Geschenk des Nil. Und sie kommt dann natürlich zum Reich von Kusch, ihrer Heimat, auch wenn sie erst mehrere tausend Jahre später geboren wurde. Aber sie betrauert, dass es in Kusch mehr Pyramiden gibt als in Ägypten, sie aber weitgehend unbekannt sind.
Dann kommt sie auf das Reich von Aksum, die Königin von Saba und den Aufstieg des christlichen Königreiches und späteren Kaiserreiches. Äthiopien war der zweite Staat (nach Armenien), der das Christentum als Staatsreligion übernahm. Nach dem Entstehen des Islam in Mekka und Medina wurde Äthiopien vom Rest der christlichen Welt abgeschnitten, und in Europa wusste man tatsächlich später fast nichts darüber - es kursierten nur Geschichten über ein mächtiges Reich des Priesterkönigs Johannes, das die Portugiesen schließlich fanden und sich mit ihm verbündeten.
Ausführlich beschreibt sie dann die verschiedenen Reiche der Amazigh in Nordafrika, die hier meistens „Berber” genannt werden. Sie bilden bis heute die größten Minderheiten in nordafrikanischen Ländern mit einer eigenen Sprache, sie versuchen sich bis heute gegenüber den Arabern zu behaupten.
Ein langes Kapitel ist natürlich Mansa Musa gewidmet, beschrieben werden aber alle Reiche Westafrikas dieser Zeit. Aber der sagenhaft reiche König von Mali sticht natürlich hervor, weil seine Pilgerfahrt nach Mekka ihn in ganz Europa bekannt machte. Sein Vorgänger rüstete übrigens eine große Flotte aus, um die Ländern westlich vom Atlantischen Ozean zu finden, auch darum ranken sich viele Sagen, auch solche, die vermuten, die Expedition habe ihr Ziel erreicht. Die meisten Historiker schließen das aus, aber es sind eben Hunderte von Schiffen losgefahren.
Ein weiteres Kapitel gilt Tippu-Tib. Das war ein arabischer Sklavenhändler, der im 19. Jahrhundert lebte und von Sansibar aus den Sklavenhandel über den Indischen Ozean mit organisierte, dem vermutlich 10 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Dieser arabische Sklavenhandel ist wenig bekannt, war auch anders angelegt als der europäische Sklavenhandel, aber immer mehr afrikanische Autorinnen und Autoren versuchen heute, auch in dieses Dunkel Licht zu bringen. Tippu-Tib zog ins Landesinnere, also durch Kenia bis zur Grenze des heutigen Kongo, und eroberte dort mit Hilfe von Söldnern ein großes Gebiet, in dem er als Händler nicht nur für Sklaven regierte.
Bei dieser Gelegenheit beschreibt die Autorin die Swahili-Zivilisation, die sich bis heute von Somalia über Kenia und Tansania bis nach Mosambik erstreckt.
Weitere Kapitel beschäftigen sich mit den Asante im heutigen Ghana, die nicht nur ein großes Reich eroberten, sondern auch unter der Herrschaft von Frauen der britischen Kolonialarmee erbitterten Widerstand leisteten. Eine bekannte Königin, Prempeh, wurde schließlich von den britischen Truppen gefangen genommen und auf die Seychellen deportiert, lange wurde in Ghana um ihre Rückkehr gekämpft. Das Reich der Asante (oder Aschanti) beruft sich bis heute auf den „goldenen Thron”, der vom Himmel zu ihnen gekommen ist und ihre Herrscher legitimiert. Bei den verschiedenen britischen Feldzügen wurde er erfolgreich evakuiert und versteckt, die Briten taten alles, um ihn in die Hände zu bekommen.
In einem der letzten Kapitel geht es dann um das Königreich Kongo und den Wettlauf der europäischen Kolonialmächte, die sich den Kontinent letztlich aufteilten. Zuerst kamen die Portugiesen, aber später waren es Briten und Franzosen, danach auch Deutsche, die ihre Kolonien absteckten und letztlich auf der Berliner Konferenz die Grenzen zogen. Dort waren auch Russ-land und die USA eingeladen, aber niemand aus Afrika.
„Widerstand und Befreiung” ist das letzte Kapitel des Buches dieser afrikanischen Journalistin, die auch als Moderatorin und Filmemacherin arbeitet und, wie gesagt, als Präsidentin der britischen SOAS-Universität von London.

Einen etwas anderes Ansatz wählt Amat Levin für seine „Geschichte Afrikas”. Er schreibt nicht nur über die Geschichte der afrikanischen Zivilisationen vor der Kolonialzeit. Er verfolgt auch den weiteren Weg der Schwarzen Sklaven und schreibt, was sie in Brasilien, der Karibik (Haiti!) oder den Südstaaten der USA taten und bewirkten. Deshalb auch der Haupttitel „Black History” für sein Buch, der für die deutsche Übersetzung als Titel beibehalten wurde.
Der Autor beginnt nicht mit Ägypten, sondern mit Kusch - also doch mit Ägypten, allerdings unter der Herrschaft schwarzer Pharaonen. Er schreibt allerdings, dass zu den anderen Pharaonen häufig die Hautfarbe gar nicht überliefert wurde, man es also nicht weiß oder automatisch davon ausgeht, sie müssten weiß gewesen sein. Dass Kleopatra als Weiße dargestellt wird, ist allerdings logisch: sie war Griechin.
Weiter geht es bei ihm mit Punt. Auch das unterscheidet sein Buch von den anderen, denn darüber weiß man wirklich sehr wenig. Kann sein, dass es regional mit dem heutigen „Puntland” übereinstimmt, es könnte aber auch auf dem Gebiet des heutigen Jemen gelegen haben.
Ein eigenes Kapitel widmet der Autor den San und Khoikhoi, also der ursprünglichen Bevölkerung Südafrikas vor der Einwanderung der Bantu-Völker, die heute die Mehrheit bilden. Die Ureinwohner wurden von den Einwanderern nicht bekämpft oder ausgerottet, aber verdrängt und lebten bei der Ankunft von Portugiesen und Niederländern in abgelegenen und unfruchtbaren Regionen.
Aksum, damals eine Großmacht, wird ausführlich vorgestellt. Dabei geht der Autor auch auf die Bundeslade ein, kann aber auch das Geheimnis darum nicht lösen, sondern nur schildern.
Ausführlich geht er auf den Islam und dann auch auf den arabischen Sklavenhandel ein. Dabei schildert er auch den Aufstand schwarzer Sklaven auf dem Gebiet des heutigen Irak im Jahre 869. Der hielt die Truppen des Kalifen immerhin zehn Jahre lang in Atem, war also keine Kleinigkeit. Allerdings nahm die Armee der Sklaven auch Einheimische Araberinnen und Araber gefangen und machte sie zu Sklavinnen und Sklaven. Erst 883 gelang es der Armee des Kalifen, die letzten Aufständische gefangen zu nehmen und den Anführer hinzurichten. Der Autor glaubt, dass der lange Aufstand mit den Ausschlag gab, keine auf Sklaverei basierende Plantagenwirtschaft in der arabischen Welt einzuführen.
Groß-Zimbabwe ist nicht nur ein antikes Reich, sondern auch ein Beispiel für den Kolonialismus in den Köpfen. Denn nach der Entdeckung der Ruinen zur Zeit von Cecil Rhodes rätselte man lange, wer diese hochstehende Zivilisation mit den großen Befestigungsanlagen aus Stein geschaffen haben könnte. Gab es eine Expedition von Ramses II. aus Ägypten? Waren die Phönizier da? Oder gab es das sagenhafte Atlantis wirklich, und die Überlebenden hatten sich hier mitten in der Wildnis eine neue Hauptstadt geschaffen? Heute gehen Archäologen und Historiker von einer viele einfacheren Erklärung aus: Es waren die Menschen, die dort lebten, die dieses Reich aufgebaut haben. Darauf konnte man offensichtlich 1870 nicht kommen, dass die großen Mauern aus Tausenden von Steinen, die ohne Mörtel hielten, das Werk von „primitiven Afrikanern” gewesen sein könnte. Heute weiß man es und versucht, die geraubten Gegenstände aus Museen in aller Welt zurück zu bekommen, was schwer ist, auch weil die aktuelle Diktatur in Zimbabwe keine guten Beziehungen zu irgendeinem anderen Land hat.
Es schließen sich Kapitel über Burkina Faso, Äthiopien und Benin an, die zeigen, dass eine Hochkultur in Zimbabwe keineswegs so einmalig für Afrika ist, dass man gleich Atlantis als Schöpfer annehmen muss.
Im zweiten Teil des Buches geht es in 23 Kapiteln um Portugal und den atlantischen Sklavenhandel. Neben dem Reich der Aschati (heute Ghana) und dem Königreich Kongo wird auch ausführlich auf Königin Nzinga von Angola eingegangen, die den Portugiesen sehr lange viele Probleme bereitete. Es war keineswegs so, dass die Europäer kamen und das Land besetzten und die Menschen versklavten. Europäer, die auf Königin Nzinga stießen, lernten schnell, dass schon die Absicht lebensgefährlich war.
Hier kommt der Autor dann bald auf Jamaika und Santo Domingo zu sprechen, wo die aus Afrika stammende Bevölkerung bald die Mehrheit bildete, weil die Einheimischen an eingeschleppten Krankheiten starben. Und die Sklaven waren es, die mit einem Aufstand den ersten schwarzen Staat der Welt, nämlich Haiti, schufen. Auch kämpften sie im mexikanischen Freiheitskrieg und an vielen anderen Orten in Mittel- und Südamerika. Und sie beeinflussten auch die Geschichte Nordamerikas und der Vereinigten Staaten ganz entscheidend, denn letztlich entzündete sich der Bürgerkrieg an der Frage der Sklaverei.
Irgendwann wurde die Sklaverei nach und nach abgeschafft. Und die USA wollten, das galt auch für die siegreichen Nordstaaten, keine freien Schwarzen in ihrem Land haben. So gründeten die USA den Staat Liberia in Westafrika, wie man noch heute an der Flagge gut erkennen kann. Dorthin deportierten sie freigelassene Sklaven, oft war die „freiwillige Ausreise” auch die Bedingung für die Freilassung. In diesem Teil geht der Autor auch auf die Berliner Konferenz ein und auf die Entstehung einiger heutiger Staaten, also die Entstehung von Nigeria oder der Demokratischen Republik Kongo, die von Großbritannien oder Belgien geschaffen wurden.
Im vierten und letzten Teil geht der Autor auf die Probleme der Unabhängigkeit ein. Er berichtet über den Bürgerkrieg in Nigeria nach der Unabhängigkeitserklärung von Biafra, über die Ermordung von Lumumba in Kongo, über die Umweltschutzbewegung in Kenia, die Staatsstreiche in Obervolta, dem heutigen Burkina Faso. Aber er berichtet auch über Angela Davis und ihren Kampf für die Schwarzen in den USA, für den sie ins Exil in Cuba musste, um sich konstruierten Anklagen zu entziehen. Zimbabwe und Liberia sind ebenfalls Themen, auch Haiti und Malawi.
Es ist mehr als eine Geschichte Afrikas, es ist wirklich eine gute Übersicht über die Schwarze Geschichte.
Die drei Bücher behandeln das gleiche Thema, aber sie sind sehr verschieden. Man sollte sich das aussuchen, was einen am meisten interessiert. Ich habe alle drei besorgt und auch die 1.500 Seiten gut geschafft. Und ich habe viel gelernt.
Reinhard Pohl